Semantisch-lexikalische Sprachassistenz

Semantisch-lexikalische Sprachassistenz ist die theoriegeleitete und gezielte Hilfestellung für Kindern und Jugendliche mit Sprachstörung im Unterricht zum Erreichen inhaltlicher Lernziele trotz semantisch-lexikalischer Störungen.

Sprachassistenz ist eine der grundlegenden Dimensionen sprachbezogener Interventionen im Unterricht bei Schülern mit dem Förderbedarf Sprache. Diese umfassen:

  • die Sprachtherapie im Unterricht,

  • die Sprachförderung im Unterricht,

  • die Sprachassistenz,

  • die Förderung und Berücksichtigung des Sprachverhaltens und der Sprachemotion,

  • die Förderung und Berücksichtigung sprachlicher Basisfunktionen wie Motorik und Perzeption (Seiffert 2008).

Ebenso wie andere sprachliche Assistenzmaßnahmen im Unterricht zielt die semantisch-lexikalische Sprachassistenz in erster Linie darauf, die Schüler darin zu unterstützen, trotz häufig unzureichender sprachlicher Lernvoraussetzungen die Unterrichtsziele zu erreichen.Bei der semantisch-lexikalischen Sprachassistenz geht es also nicht darum, wie es zum Beispiel im Münchner Modell (Reber/Schönauer-Schneider 2009) geschieht, für alle Schüler individuelle Förderziele für einzelne Stunden oder Unterrichtseinheiten festzulegen. Ein solches Vorgehen ist den Dimensionen der Sprachtherapie und der Sprachförderung im Unterricht zuordnen.

Damit hat semantisch-lexikalische Sprachassistenz eine andere Zielsetzung als Sprachtherapie und (sprach- und störungsspezifische) Sprachförderung:

  • sprachspezifische Therapie ist dadurch gekennzeichnet, dass sprachtherapeutische Ziele die auf den Unterricht bezogenen methodischen Entscheidungen determinieren und eine klare Stufung der Therapieziele vorliegt.

  • Bei der Sprachassistenz hingegen sind sprachtherapeutische und -fördernde Aspekte funktional vom Bildungsziel abhängig.

Letztendlich kommt Glück zu folgendem Ergebnis:

„Zwar konnte in den vorgestellten Studien stets eine Wirksamkeit der einen oder anderen Therapieform belegt werden, einen Beleg für die Nützlichkeit der Therapie, d.h. der klinisch bedeutsamen Verringerung der semantisch-lexikalischen Störung insgesamt,sind alle erwähnten Studien schuldig geblieben“ (ebd. 133).

Dass eine semantisch-lexikalische Sprachassistenz im Unterricht nötig ist, ergibt sich auch daraus, dass zahlreiche Therapiestudien ergeben haben, dass es zwar möglich ist, Kindern und Jugendlichen konkrete Wortschätze beizubringen, Generalisierungseffekte auf andere Wortfelder aber nicht oder kaum überdauernd nachgewiesen werden können: Glück (2003a) stellt die Ergebnisse von 11 Therapiestudien vor, die aus Datenbankrecherchen und eigenen Forschungsarbeiten gewonnen wurden.

Dass in den von Glück vorgestellten Studien überdauernde Generalisierungseffekte nicht nachgewiesen werden konnten, ist auch deswegen naheliegend, weil es sich beim Wortschatzaufbau um Sprachlernprozesse handelt, die nicht wie es beim Grammatikerwerb der Fall ist auf Regelinduktion beruhen, sondern 1-1-Lernprozesse darstellen. Plakativ gesprochen: Ich lerne das Wort "Apfel", indem ich das Wort "Apfel" lerne. Ich lerne das Wort "Apfel" nicht, indem ich das Wort "Birne" lerne. 

Wenn es also nicht gelingt, frühzeitig z. B. mit Hilfe einer lexikalischen Frühtherapie den "lexikalischen Staubsauger" zu deblockieren und dauerhaft ein eigenaktives wortschatzerwerbsförderndes Verhalten des Kindes zu evozieren (Motsch 2009 - Vortrag), bleibt oftmals nur eine kontinuierliche Hilfestellung beim Lernen neuer Wortformen und Wortbedeutungen und bei der Sicherstellung des Wort- und Satzverständnisses.