Kontextoptimierung
Kontextoptimierung ist eine Unterrichts- und Förderungdidaktik, die darauf zielt, den Erwerb grammatischer Kompetenzen von Kindern mit Störungen des Grammatikerwerbs zu deblockieren und neu anzustoßen, indem systematisch der Kontext (Sprachmaterial, Sprechweise der Förderkraft, die Situation, die Hilfen) optimiert wird. Zuvor werden mit Hilfen spezieller Screenings und des Diagnoseverfahrens ESGRAF-R die grammatischen Kompetenzen der Schüler bezogen auf folgende Förderungziele erfasst:
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Die Kontextoptimierung hat 3 Merkmale:
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Ursachenorientierung,
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Ressourcenorientierung,
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Modalitätenwechsel.
Das Prinzip der Ursachenorientierung geht von den in der fachlichen Diskussion erörterten Ursachenvermutungen (Umweltstimulanz durch Interaktionsverläufe, Problemlösefähigkeit, Gedächtniskapazität, Rhythmus- und Zeitverarbeitung und Faktoren anderer Sprachebenen wie etwa ausreichendes lexikalisches und phonologisches Wissen und die Fähigkeit auch unbetonte morphologische Markierungen wahrzunehmen) aus. Es umfasst:
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Die Sensibilisierung für Morphemmarkierungen (für die Förderungziele 1 und 2 wichtig).
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Sprechweise („Wo spreche ich komisch?“). Durch bewusste Verlangsamung, akzentuiertes Betonen, leicht übertriebene Prosodie und fraktioniertes Sprechen (kurze Pause unmittelbar vor und hinter der Zielstruktur) wird ein geringerer Verarbeitungsaufwand bewirkt und so mehr Verarbeitungskapazität des phonologischen Arbeitsgedächtnisses für die Auswertung der Sprachstruktur bereitgestellt. Dies erleichtert die Identifizierung, Sequenzierung und Speicherung von kritischen Merkmalen der Zielstruktur.
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Kürzeste Zielstruktur („Sprich nicht in ganzen Sätzen“). Das Ziel besteht unter anderem vor dem Hintergrund einer reduzierten Kapazität des phonologischen Arbeitsgedächtnisses darin, die Fähigkeit zur Wahrnehmung und Verarbeitung der Zielstruktur zu erhöhen. Deshalb muss die Äußerungslänge auf das für die Zielstruktur nötige Minimum reduziert werden. Es wird gezielt mit Ellipsen gearbeitet. Für das Förderungziel 3 bedeutet das die Reduktion der kindlichen Produktion auf den Nebensatz (idealtypisch aus maximal vier Elementen bestehend: „weil Papa Hunger hat“).
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Ausschalten von Ablenkern (Verwirrern).
Das Prinzip der Ressourcenorientierung folgt dem Leitsatz „Finde selbst heraus, was dir hilft.“ Es werden die Stärken des Kindes und diejenigen Kanäle, die intakt sind, für den Grammatikerwerb genutzt:
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Format des Kindes finden: Es wird in der Förderung mit möglichst wenig Formaten gearbeitet, die aber möglichst den Interessen des Kindes entsprechen müssen (zum Beispiel sein Lieblingsspiel). Dieses Format dient dann als Inhalt und Rahmen der Förderung und als Transporter des Förderungzieles.
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Gespräche. Die Zielstruktur wird durch fokussierende Gespräche bewusst gemacht.
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Schrift.
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Wahrnehmbare Strukturen. Es wird mit Visualisierungen von Sprachstrukturen (Bilder, Gesten, Handzeichen, farbliche Markierungen kritischer Merkmale) oder mit auditiven Impulsen gearbeitet.
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Handlungsmäßige Erfahrungen. Spiele wie „das faule Wort“, „die unendliche Liebe“ oder „das Fluchtspiel“ liefern kraftvolle Prototypen für die Zielstruktur.
Das Prinzip des Modalitätenwechsels besagt, dass ein kurzrhythmischer Wechsel zwischen sprachbewussten (Produktion, Reflexion) und sprachunbewussten Phasen (Rezeption) wichtig ist, um den jeweils individuellen Zugängen der Kinder zur Sprache gerecht zu werden. Die Modalitäten sind:
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das Dekodieren (Sprachverstehen),
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das Rekonstruieren (Reproduktion zuvor gehörter Äußerungen),
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das Kodieren (Spontansprache) und
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das Reflektieren.
Zusätzlich sind folgende Aspekte für die Produktion wichtig:
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Zwingende Kontexte schaffen. Die grammatikalische Zielstruktur muss von dem Kind in realer Funktion erlebt werden können.
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Kontrolle der eigenen Redebeiträge. Durch richtige Impulse wird der Gebrauch der Zielstruktur durch das Kind zwingend.
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Kommentierung zwingend machen. Ideal ist, wenn das Kind etwas kommentieren muss, was die Förderkraft nicht sieht.
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Macht der Worte. Durch Zaubersprüche, sprachgesteuerte Roboter oder Quartettspiele werden Lernsituationen gestalten, in denen es dem Kind einsichtig ist, dass nur die korrekt produzierte Zielstruktur zum Erfolg führt (sonst bleibt der Roboter stehen, der Zauber klappt nicht, und so weiter) (Motsch 2006, Berg 2005).